Google spielt Scrapern und KI-Crawlern falsche SERPs aus – und trifft damit alle Tools
Redaktion PageRangers
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Google liefert automatisierten Abfragen gefälschte Trefferlisten
Dein wichtigstes Keyword fällt über Nacht aus den Top 10, zwei Tage später ist es wieder da, und die Search Console zeigt in der Zeit keine Veränderung. Seit September 2026 ist das häufig kein Ranking-Verlust, sondern ein Messfehler mit System: Google beantwortet einen Teil der automatisierten Suchanfragen mit Trefferlisten, die vollständig und echt aussehen, aber andere Websites enthalten. Gemeint sind vermutlich KI-Anbieter, die Google-Ergebnisse in großem Stil abgreifen. Treffen kann es aber jedes Werkzeug, das Suchergebnisse automatisiert abruft – also praktisch die gesamte SEO-Tool-Branche und alle, die deren Daten weiterverwenden.
Was genau ist passiert?
Den ausführlichsten Befund hat der US-Rank-Tracker-Anbieter Nozzle am 10. Oktober 2026 in einer eigenen Auswertung veröffentlicht. Grundlage sind rund 27,5 Millionen Suchergebnisseiten zu mehr als 660.000 Keywords aus 49 Ländern, erhoben auf Desktop, iPhone und Android zwischen dem 20. August und dem 9. Oktober 2026.
Nozzle nennt die betroffenen Seiten „poisoned SERPs“, also vergiftete Suchergebnisse. Der Ablauf laut Studie:
- 13. September 2026: Anfragen an Google scheitern plötzlich in großer Zahl. Zwei Wochen lang kommen deutlich weniger Ergebnisseiten durch.
- 20. September 2026: Die ersten vergifteten Trefferlisten tauchen auf. Was vorher durchkam, war bis dahin normal.
- 27. bis 29. September 2026: Höhepunkt. An diesen Tagen war rund ein Viertel aller erhobenen Seiten betroffen, am 29. September 27,0 Prozent.
- Seit 1. Oktober 2026: Täglich etwa 5 bis 11 Prozent.
Über den gesamten Zeitraum seit dem 13. September zählt Nozzle 8,0 Prozent vergiftete SERPs. In den drei Wochen davor, die als Vergleich dienen, lag der Wert bei 0,17 Prozent. Nozzle fasst den Ablauf so zusammen: erst blockiert, dann vergiftet.
Der entscheidende Unterschied zu früheren Störungen: Google lehnt diese Anfragen nicht ab. Es gibt keine Fehlermeldung, kein Captcha, keine leere Seite. Die Antwort ist eine vollständige Ergebnisseite im gewohnten Layout – nur die Treffer stimmen nicht. Nozzle bringt es auf den Punkt: Nichts auf der Seite verrät die Manipulation. Pikant: Websites, die Suchmaschinen andere Inhalte zeigen als Besuchern, betreiben Cloaking und riskieren eine Abstrafung. Google tut hier im Grunde das Umgekehrte – es zeigt Bots andere Ergebnisse als Menschen. Genau das macht den Ansatz so wirksam. Eine abgelehnte Anfrage würde ein Tool einfach wiederholen. Eine falsche Antwort speichert es als echtes Ergebnis ab.
Google selbst hat sich zu den Befunden bislang nicht geäußert. Alle Zahlen in diesem Beitrag stammen von Tool-Anbietern, die ihre eigenen Daten auswerten – und damit auch ein eigenes Interesse an der Debatte haben. Die Größenordnung wird aber von mehreren Seiten bestätigt (dazu unten mehr).
Wie sieht eine vergiftete Trefferliste aus?
Auf den ersten Blick wie jede andere. Im Detail fallen typische Muster auf, die Nozzle aus dem Vergleich mit der Historie jedes Keywords abgeleitet hat:
| Merkmal | Normale SERP (Vergleichszeitraum) | Vergiftete SERP |
|---|---|---|
| Websites, die schon bei der vorigen Messung in den Top 10 standen | 88,5 % | 20,7 % |
| Überwachte Website fehlt in den Top 10 | 2,7 % | 58,6 % |
| AI Overview wird angezeigt | 54,2 % | 34,9 % |
| Bilder-Box wird angezeigt | 23,0 % | 44,2 % |
| Foren-Box wird angezeigt | 20,5 % | 27,0 % |
| „Ähnliche Suchanfragen“ wird angezeigt | 87,2 % | 52,7 % |
Die üblichen organischen Treffer verschwinden also weitgehend. An ihre Stelle rücken vor allem Plattformen und Foren: Reddit taucht laut Nozzle auf 28,8 statt 20,8 Prozent der Seiten auf, Facebook auf 33,8 statt 28,3 Prozent. Auch LinkedIn, Instagram, Quora und TikTok gewinnen. Bei US-Keywords erscheinen häufiger Websites mit fremder Länderendung.
Bemerkenswert ist, was fast unverändert bleibt: Anzeigen und Shopping-Ergebnisse. Bei Desktop-Abfragen, die normalerweise bis Seite 8 oder weiter reichen, endet zudem gut die Hälfte der vergifteten Listen spätestens auf Seite 4.
Die gute Nachricht: Der Spuk ist meist kurz. 80 Prozent der Vergiftungen betreffen laut Nozzle nur eine einzige Messung, in 77,9 Prozent der Fälle sind die üblichen Websites innerhalb von drei Tagen zurück, im Median nach zwei Tagen.
Warum das alle Tools trifft, die Google-Daten scrapen
In den ersten Berichten ist meist von „Rank-Trackern“ die Rede. Das greift zu kurz. Google kann einer Anfrage nicht ansehen, wofür die Daten später verwendet werden. Es sieht nur, ob eine Abfrage nach einem Menschen im Browser aussieht oder nach einem automatisierten Zugriff. Wer automatisiert abfragt, landet im selben Filter – egal ob das Ergebnis in einem Ranking-Bericht, einer Content-Analyse oder einer KI-Antwort endet. Nozzle schreibt ausdrücklich, Rank-Tracker würden „mit erfasst“, weil sie Suchergebnisse auf dieselbe Weise sammeln wie die eigentlich gemeinten KI-Scraper.
Auch SISTRIX spricht auf seiner Support-Seite zur Erfassung von Google-Rankings von einem branchenweiten Problem: Tool-Anbieter und Datenlieferanten weltweit bekämen solche abweichenden Trefferlisten. Analyse-Tools seien nicht das eigentliche Ziel, würden aber mit getroffen.
Betroffen ist damit jedes Werkzeug, das Google-Ergebnisse automatisiert erhebt:
- Rank-Tracker und Keyword-Monitoring: Sie zeigen falsche Positionen, vermeintliche Abstürze und eine Sichtbarkeit, die stärker schwankt als in der Wirklichkeit. Das gilt für die großen Suiten genauso wie für spezialisierte Tracker – und für das Keyword-Monitoring der PageRangers SEO Suite.
- Lokale Ranking-Tools: Suchanfragen mit „in der Nähe“ waren laut Nozzle mit 11,4 Prozent häufiger betroffen als andere Abfragen (7,8 Prozent). Wer lokale Rankings ermittelt, sollte besonders genau hinsehen.
- Content- und Wettbewerbsanalysen: Viele Content-Tools werten die Top 10 eines Keywords aus, um Begriffe, Textlängen oder Gliederungen der Konkurrenz zu vergleichen – etwa bei einer WDF*IDF-Analyse. Ist die zugrunde liegende Trefferliste vergiftet, vergleicht das Tool deinen Text plötzlich mit Reddit-Threads und Facebook-Posts statt mit den echten Wettbewerbern.
- SERP-Analysen und Keyword-Clustering: Verfahren, die Keywords nach überlappenden Suchergebnissen gruppieren, wie der SERP Overlap Score, bauen auf dem Vergleich von Trefferlisten auf. Eine vergiftete Liste verzerrt die Überschneidungen.
- KI-Sichtbarkeits- und AI-Overview-Tracking: Tools, die messen, ob deine Website in Googles KI-Übersichten zitiert wird, sind gleich doppelt betroffen. Auf vergifteten Seiten erscheint die AI Overview seltener, und laut Nozzle stimmen nur 42,3 Prozent der dort genannten Quellen mit der vorigen Messung überein (normal: 68,8 Prozent). Dazu kommt, dass KI-Antworten ohnehin schwanken – warum das so ist, erklären wir im Beitrag dazu, wie du KI-Sichtbarkeit mit Prompt-Tracking verlässlich misst.
- Datenlieferanten und SERP-APIs: Viele Tools erheben Google-Daten nicht selbst, sondern kaufen sie über eine API bei spezialisierten Anbietern ein. Wer so arbeitet, ist nicht geschützt, sondern erbt das Problem des Lieferanten – oft ohne es zu bemerken.
- KI-Anwendungen selbst: Chatbots und KI-Suchen, die Google-Ergebnisse als Faktenbasis für ihre Antworten nutzen, bekommen die falschen Treffer ebenso. Hier liegt vermutlich das eigentliche Ziel (siehe nächster Abschnitt).
Dasselbe gilt für alle anderen Zwecke, für die Google-Ergebnisse automatisiert abgerufen werden, etwa Marktbeobachtung oder Forschung. Einen Hinweis darauf, dass Google zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Scraping unterscheidet, gibt es nicht. Technisch wäre das auch kaum möglich.
Betroffen heißt nicht: gleich stark betroffen. Nozzle stellte fest, dass es stark vom Abrufweg abhängt: Zwischen dem 30. September und dem 9. Oktober lieferte einer der eigenen Erhebungswege 1 bis 7 Prozent vergiftete Seiten, ein anderer 9 bis 30 Prozent. Wie viel falsche Daten in einem Tool landen, hängt also davon ab, wie der Anbieter abfragt, welche Netze er nutzt und ob er seine Ergebnisse prüft.
Das zeigt sich auch in der Praxis. Search Engine Roundtable berichtete am 12. Oktober 2026, dass unter anderem SE Ranking, SISTRIX, DataForSEO, Advanced Web Ranking und Morningscore Probleme öffentlich gemacht haben. Nutzer beobachteten dabei, dass einzelne Tools einen echten Ranking-Einbruch samt Erholung korrekt abbildeten, während andere ihn verzögert oder gar nicht zeigten. Kein Tool ist grundsätzlich immun – der Unterschied liegt darin, wie gut ein Anbieter falsche Daten erkennt und aussortiert.
Warum macht Google das?
Eine offizielle Begründung gibt es nicht. Die Indizien deuten aber in eine klare Richtung: Google will verhindern, dass Wettbewerber im KI-Markt seine Suchergebnisse kostenlos als Datenquelle nutzen.
Nozzle bezeichnet die Vergiftung ausdrücklich als Googles Antwort auf KI-Scraping – also das massenhafte Abrufen von Suchergebnissen, um damit KI-Antworten zu füttern (im Fachjargon „Grounding“). SISTRIX vermutet, dass Google vor allem neuen Wettbewerbern wie ChatGPT den Zugriff auf seinen Suchindex erschweren und verhindern will, dass Suchergebnisse ins Training offener KI-Modelle einfließen. Barry Schwartz von Search Engine Roundtable sieht ebenfalls KI-Bots als Hauptziel, nicht SEO-Tools.
Dafür spricht, was in den vergangenen Monaten öffentlich geworden ist:
- Google verklagt SerpApi: Am 19. Dezember 2025 hat Google den Datenanbieter SerpApi verklagt. In einem Blogbeitrag wirft Googles Chefjuristin Halimah DeLaine Prado dem Unternehmen vor, Schutzmaßnahmen zu umgehen und seinen Crawlern „gefälschte und ständig wechselnde Namen“ zu geben. Laut Berichten über die Klageschrift geht es dabei um Googles Abwehrsystem SearchGuard. SerpApi bestreitet die Vorwürfe und hat im Februar 2026 beantragt, die Klage abzuweisen.
- KI-Anbieter als Abnehmer: Laut einem Bericht des US-Mediums The Information aus dem Jahr 2025 hat OpenAI für ChatGPT teilweise Google-Ergebnisse genutzt, die SerpApi abgerufen hatte – etwa für Fragen zu Nachrichten, Sport und Finanzmärkten. Und Reddit hat am 22. Oktober 2025 SerpApi, Oxylabs, AWMProxy und Perplexity verklagt: Die drei Scraping-Dienste sollen Reddit-Inhalte über Google-Suchergebnisse abgegriffen und weiterverkauft haben, Perplexity soll sie gekauft haben. Alle Beklagten weisen die Vorwürfe zurück.
- Klare Regeln: Google verbietet automatisierte Abfragen schon lange. Die robots.txt von google.com sperrt den Pfad
/searchfür alle Bots. Die Nutzungsbedingungen in der Fassung vom 30. Juli 2026 untersagen ausdrücklich die „Verwendung automatisierter Mittel, um auf Inhalte unserer Dienste zuzugreifen“, wenn diese gegen maschinenlesbare Vorgaben wie robots.txt verstoßen.
Search Engine Journal ergänzt eine weitere mögliche Zielgruppe: Spammer, die mit automatisierten Abfragen herauszufinden versuchen, wie Google rankt. Auch das ist eine Interpretation, keine Bestätigung.
Für die SEO-Branche ist das unbequem. Rank-Tracking war für Google lange ein geduldeter Graubereich. Mit dem Wettlauf um KI-Antworten sind Suchergebnisse zu einem Rohstoff geworden, den Google offenbar nicht mehr kostenlos abgeben will. Die Werkzeuge, mit denen Website-Betreiber ihre Sichtbarkeit messen, geraten dabei zwischen die Fronten.
Die Vorgeschichte: Google macht die SERPs Schritt für Schritt dicht
Die Vergiftung ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die seit fast zwei Jahren läuft. Jede Stufe hat das automatisierte Erheben von Suchergebnissen teurer und unzuverlässiger gemacht:
| Zeitpunkt | Änderung | Folge für Tools |
|---|---|---|
| Januar 2025 | Die Google-Suche verlangt JavaScript. Laut Google nutzen weniger als 0,1 Prozent der Menschen die Suche ohne JavaScript. | Ab etwa 15. Januar fallen bei mehreren Tools Daten aus, Abfragen werden aufwendiger. |
| September 2025 | Der Parameter &num=100 funktioniert nicht mehr. |
Statt einer Abfrage für 100 Treffer braucht ein Tool nun bis zu zehn. Viele erheben seitdem weniger Positionen. |
| Dezember 2025 | Klage gegen SerpApi | Google geht erstmals juristisch gegen einen großen SERP-Anbieter vor. |
| Sommer 2026 | Klicks laufen über /goto-Weiterleitungen, Google bestätigt das am 26. August 2026. |
Die Ziel-URL eines Treffers steht nicht mehr direkt im Quelltext, jedes Ziel muss einzeln aufgelöst werden. |
| 13. September 2026 | Breite Sperren, mehr Captchas | Viele Abfragen scheitern. |
| 20. September 2026 | Vergiftete Trefferlisten | Ein Teil der Antworten ist falsch, ohne dass es erkennbar ist. |
Zur /goto-Umstellung sagte ein Google-Sprecher laut Search Engine Roundtable nur, man setze seit Langem technische Maßnahmen gegen sich wandelnde Formen von Missbrauch ein. Laut Derek Perkins von Nozzle kombiniert Google inzwischen drei Mittel: großflächige Sperren gegen Netzwerke mit privaten IP-Adressen (sogenannte Residential Proxies), mehr Captchas und gezielt falsche Daten in Trefferlisten, die verdächtig wirken.
Die Tool-Anbieter reagieren unterschiedlich. SISTRIX etwa veröffentlicht nach eigener Aussage nur noch Ergebnisse, die zusätzlich mehrfach geprüft wurden. Fällt ein Ergebnis durch, wird das Keyword erneut erhoben – manche Keywords werden dadurch seltener aktualisiert. Die Aktualisierung auf Knopfdruck hat SISTRIX seit September 2026 abgeschaltet, erhoben wird für jedes Keyword die erste Ergebnisseite, weitere Seiten nur, wo sie relevant sind. Für dich als Nutzer heißt das: Mehr Prüfaufwand beim Anbieter bedeutet bessere, aber oft langsamere und weniger tiefe Daten.
Wie stark ist der deutschsprachige Raum betroffen?
Deutschland kommt in der Nozzle-Studie vergleichsweise glimpflich davon: 4,3 Prozent der erhobenen Seiten waren seit dem 13. September vergiftet. Österreich liegt mit 18,8 Prozent dagegen ganz oben in der Auswertung, die Schweiz kommt auf 12,8 Prozent. Wer Rankings für Österreich oder die Schweiz beobachtet, sollte die Daten aus den vergangenen Wochen also besonders kritisch lesen.
Auch zwischen Branchen gibt es Unterschiede. Am stärksten betroffen waren laut Nozzle Rechts-Themen mit 15,9 Prozent (am 27. September sogar 51,3 Prozent), gefolgt von Handwerk und Haus-Dienstleistungen mit 12,7 Prozent. Am geringsten war der Anteil bei Haustier-Themen mit 4,3 Prozent. Suchanfragen mit wenig Suchvolumen (unter 100 pro Monat) waren mit 9,4 Prozent häufiger betroffen als navigationale Markensuchen (5,3 Prozent). Beim Gerät gab es kaum Unterschiede.
Zusätzlich erschwert ein Zufall die Einordnung: Vom 24. September bis zum 8. Oktober 2026 rollte Google sein September-2026-Spam-Update aus – genau in der Hochphase der vergifteten SERPs. Echte Ranking-Verluste durch das Update und reine Messfehler sehen in Ranking-Berichten aus diesem Zeitraum gleich aus. Umso wichtiger ist es, beides sauber zu trennen.
Praxis: So erkennst du falsche Ranking-Daten
Du kannst nicht verhindern, dass dein Tool vergiftete Seiten bekommt. Du kannst aber verhindern, dass du darauf reagierst. Diese Prüfschritte helfen, bevor du einen Ranking-Verlust an Kunden meldest oder Inhalte umbaust:
- Search Console gegenprüfen. Die Daten der Search Console stammen aus echten Suchen echter Menschen, nicht aus automatisierten Abfragen. Bleiben Impressionen und Klicks für die betroffenen URLs stabil, hat sich am Ranking sehr wahrscheinlich nichts geändert.
- Drei Tage abwarten. Die meisten Vergiftungen sind nach einer Messung vorbei, fast 78 Prozent nach drei Tagen. Ein eintägiger Einbruch, der sich schnell erholt, ist im Herbst 2026 eher ein Messfehler als ein Ranking-Verlust.
- Mit den Vorwochen vergleichen, nicht nur mit gestern. Auch die Messung vom Vortag kann vergiftet sein. Nozzle empfiehlt, jede Trefferliste mit den Websites zu vergleichen, die in den Wochen davor üblicherweise auf Seite 1 standen.
- Auf das Muster achten. Verschwinden auf einmal fast alle bekannten Wettbewerber gleichzeitig und rücken Reddit, Facebook, LinkedIn oder Quora nach, während die Anzeigen gleich bleiben, ist das ein typisches Zeichen.
- Mehrere Keywords zusammen betrachten. Ein echtes Update trifft meist ganze Themen- oder Seitengruppen und hält an. Wer sein Keyword-Set im Monitoring nach Themen gruppiert hat, sieht schneller, ob ein Rückgang ein Muster hat oder nur einzelne Ausreißer.
- Content-Analysen prüfen. Bevor du einen Text auf Basis einer Wettbewerbsanalyse überarbeitest, schau dir die Top 10 an, die das Tool ausgewertet hat. Stehen dort kaum echte Fachseiten, ist die Datengrundlage verdächtig – dann die Analyse später wiederholen.
- Bleibende Verluste ernst nehmen. Hält ein Einbruch länger als etwa eine Woche an und zeigt die Search Console ebenfalls weniger Impressionen, ist er vermutlich echt. Dann lohnt der Blick auf das Spam-Update und auf die betroffenen Seiten.
Die Search Console hat allerdings eigene Grenzen: Sie zeigt nur deine eigene Website, keine Wettbewerber, und liefert Durchschnittswerte statt tagesgenauer Positionen. Sie ersetzt das Monitoring also nicht, sondern dient als Kontrollinstanz. In der PageRangers SEO Suite kannst du beides nebeneinanderlegen: das Keyword-Monitoring und die Daten aus deiner verknüpften Search Console.
Welche Fragen du deinem Tool-Anbieter stellen solltest
Da alle Anbieter betroffen sind, ist nicht die Frage, ob dein Tool falsche Daten bekommt, sondern wie es damit umgeht. Seriöse Anbieter sollten diese Fragen beantworten können:
- Wie erkennt ihr vergiftete Trefferlisten? Werden Ergebnisse mit der Historie abgeglichen und verdächtige Messungen wiederholt?
- Was passiert mit verdächtigen Messungen? Werden sie verworfen, markiert oder trotzdem angezeigt?
- Wie aktuell sind die angezeigten Daten? Wird bei einer gescheiterten Messung der letzte geprüfte Stand gezeigt – und ist das Datum der Messung sichtbar?
- Woher kommen die Daten? Erhebt der Anbieter selbst, oder kauft er bei einem Datenlieferanten ein? Und prüft er die eingekauften Daten?
- Wie tief wird gemessen? Viele Tools erheben inzwischen nur noch die erste Seite oder einen Teil der Top 100. Das ist kein Mangel, sollte aber transparent sein.
Wer Reportings für Kunden erstellt, sollte die Unsicherheit offen ansprechen. Eine kurze Notiz im Bericht, dass Rankingdaten zwischen Mitte September und Anfang Oktober 2026 branchenweit verzerrt sein können, erspart viele Rückfragen – und bewahrt vor voreiligen Maßnahmen.
FAQ
Sind nur bestimmte SEO-Tools betroffen?
Nein. Betroffen ist jedes Werkzeug, das Google-Suchergebnisse automatisiert abruft – Rank-Tracker, Content-Tools, KI-Sichtbarkeits-Tracker, Datenlieferanten und die KI-Anwendungen selbst. Auch Tools, die ihre Daten bei einem Dienstleister einkaufen, erben das Problem. Unterschiede gibt es nur darin, wie häufig falsche Daten ankommen und wie gut ein Anbieter sie aussortiert.
Hat Google die gefälschten Suchergebnisse bestätigt?
Nein. Google hat sich zu den Befunden von Nozzle bislang nicht geäußert. Die Daten stammen von Tool-Anbietern, werden aber unabhängig voneinander von mehreren Seiten beschrieben, darunter SISTRIX und weitere Anbieter von Rank-Trackern.
Sehen normale Nutzer auch falsche Ergebnisse?
Nach allem, was bekannt ist, nein. Betroffen sind Abfragen, die Google als automatisiert einstuft. Ein Indiz dafür: Die Search Console, die auf echten Suchen basiert, zeigt bei vergifteten Messungen keine entsprechenden Einbrüche.
Kann ich meinen Ranking-Daten aus den letzten Wochen noch trauen?
Mit Vorsicht. Einzelne Ausreißer, vor allem kurze Einbrüche zwischen dem 20. September und Anfang Oktober 2026, solltest du mit der Search Console und dem Verlauf der Vorwochen abgleichen. Langfristige Trends über mehrere Wochen sind deutlich robuster als einzelne Tageswerte.
Machen andere Suchmaschinen das auch?
Dazu gibt es bislang keine Belege. Die aktuellen Befunde betreffen ausschließlich Google.
Fazit
Google beantwortet seit September 2026 einen Teil der automatisierten Suchanfragen mit gefälschten Trefferlisten. Ziel sind nach allem, was man weiß, KI-Anbieter, die Google-Ergebnisse als kostenlose Datenquelle nutzen. Weil Google aber nicht unterscheiden kann, wofür die Daten verwendet werden, trifft es alle Werkzeuge, die Suchergebnisse scrapen – vom Rank-Tracker über Content- und KI-Sichtbarkeits-Tools bis zu den Datenlieferanten, auf denen viele Tools aufbauen. Die gefälschten Seiten sind nicht als solche erkennbar, die meisten verschwinden aber nach wenigen Tagen wieder.
Für dich heißt das: Reagiere nicht auf einzelne Tageswerte. Bevor du einen Ranking-Verlust meldest oder Inhalte umbaust, prüfe ihn gegen die Search Console und den Verlauf der Vorwochen. Und frag deinen Tool-Anbieter, wie er falsche Daten erkennt – denn betroffen sind alle, entscheidend ist, wer sauber filtert.